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Unsere heimischen Fischarten sind darauf angewiesen, zum Zweck der Fortpflanzung in die Oberläufe unserer Gewässer aufzusteigen (Forelle, Äsche, Barbe, Nase etc.) oder diese zur Abwanderung in die Unterläufe oder das Meer zu verlassen (Lachs, Meerforelle, Aal). Auch kleinere bodenbewohnende Gewässerorganismen führen Wanderungen in den Gewässern durch. Hierfür ist eine Durchgängigkeit der Fließgewässer erforderlich. Die hohe Zahl der zur Energieerzeugung umgebauten Wasserkraftanlagen mit Turbinenrädern haben diese Durchgängigkeit in den vergangenen Jahrzehnten aber zerstört. Hier im nordwestlichen Rheinland-Pfalz gibt es etwa 200 solcher Anlagen, 21 davon alleine an der Kyll.
Nun hat sich in jüngster Zeit an einer der Anlagen der “Rechtsstreit WKA Densborn” entzündet und nach einer enormen Schlappe für die WKA-Betreiberin Doris & Richard Kail GbR sollte man doch davon ausgehen, dass diese vorsichtiger geworden sind. Aber das Gegenteil ist der Fall. So behauptet Kraftwerksbetreiber Richard Kail mit atemberaubender Dreistigkeit gegenüber dem Trierischen Volksfreund, der Ende Juni 2005 über den Prozessausgang berichtete:
“Eine doppelte Gewässerstrecke durch den Flusslauf und den Turbinenkanal, die damit verbundene Sauerstoffanreicherung, die Mindestwasserabgabe und die vorhandene Fischtreppe schaffen das ganze Jahr über Durchgängigkeit.”
Ein Besuch am Wasserkraftwerk Densborn einen Tag später ergab folgendes Bild der “Fischtreppe”:
Blick auf das Mutterbett der Kyll unterhalb der Staumauer der Wasserkraftanlage Densborn. Aufsteigende Fische müssten erst den Sohlabsturz der hinter der Staumauer befindlichen Betonplatte erklettern und sich dann durch den dünnen Wasserfilm an die nicht funktionsfähige “Fischtreppe” im Hintergrund robben. Absteigende Fische werden auf die Betonplatte gespült und müssen sich dann den weiten Weg ins Unterwasser erkämpfen.
Blick über die Betonplatte zur “Fischtreppe”. Diesen Zustand bezeichnet Herr Kail als “ganzjährige Durchgängigkeit”.
Tja, was soll man dazu sagen ... Damit keiner dumm stirbt, hier ein Link zu Informationen und Bezugsquellen eines Standardwerkes über Fischschutz- und Fischabstiegsanlagen.
http://www.vdff-fischerei.de/html/body_informationen.HTM#ATV-DVWK
Und noch eine gelungene Aktion: Gewässerunterhaltungsmaßnahme am WKA Densborn
Um nun dem ganzen die Krone aufzusetzen, fing Herr Kail gleich nach der Urteilsverkündung bei sengenden Temperaturen und extrem niedriger Wasserführung an, vor seiner Wehrmauer Unterhaltungsmaßnahmen durchzuführen. Dazu baggert er 600 - 800 t Kies aus der Kyll. Nach Aussagen von Fischereiaufsehern im Kreis Bitburg-Prüm wurde die Kyll durch das aufgewirbelte Feinsediment so stark getrübt und verunreinigt wird, dass die Angelgäste flussabwärts bis nach Kyllburg ihre Angeln einpackten und nachhause fuhren.
Wochenendbaggern am Wasserkaftwerk Densborn bei Niedrigstwasser und Temperaturen von über 30° C.
Das vor der Wehrmauer aufgerührte Feinsediment lässt eine trübe Brühe aus anorganischen Partikeln und feinen organischen Partikeln (FPOM) entstehen, die sich wegen abgestellter Turbinen und einem eigens aufgehäuften Wall durch das Mutterbett der Kyll wälzt und dem Gewässer den ohnehin bei diesen Bedingungen schon geringen Sauerstoff entzieht.
Blick auf die Wehrmauer und das ablaufende Schlammwasser unterhalb des ausgebaggerten Bereichs.
Kommentar: So macht man sich und die Wasserkraft beliebt.
Hier noch ein etwas älterer, aber immerhin noch lesenswerter Literaturtipp:
http://www.umweltbundesamt.de/wasser/veroeffentlich/download/13-98.pdf
Ansprechpartner: Arnold Mai: arnoldmai@gewaesserschutz-eifel.de
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