Grünabfälle an der Prüm

Wo Menschen wirken, entstehen Abfälle, die ihrerseits Probleme aufwerfen. Oft sind diese Abfälle unappetitlich, übelriechend oder sogar gesundheitsgefährdend und niemand will sie haben.
So muss es auch in Deutschland bis zu Beginn des letzten Jahrhunderts gewesen sein, als die Leute ihre Abfälle einfach aus dem Fenster vor ihre Häuser warfen. Rattenplagen waren das geringste Übel, das hieraus resultierte. 1772 befahl deshalb König Friedrich Wilhelm I. in Berlin dem Militär, vor den Häusern liegende Unrathaufen einfach wieder in die Häuser zurückzuschaufeln.
Offenbar löste dieses drastische Vorgehen das Problem aber nicht, denn damit waren die Abfälle immer noch nicht beseitigt. Im Jahr 1887 wurden dann die ersten kontrollierten Gemeindemüllplätze errichtet, um die Ausbreitung von Ratten und ansteckenden Krankheiten zu verhindern. Man hat sich also staatlicherseits um das Wohl der Mitbürger gesorgt und Regelungen zu deren Schutz getroffen, und das schon vor über 100 Jahren.

Das untenstehenden Beispiel zeigt aber, dass es heute immer noch Mitmenschen, ja sogar Kommunen und Berufszweige gibt, die Grünabfälle und landwirtschaftliche Abfälle so rücksichtslos ent-”sorgen”, dass sie Schäden an Gewässern oder sogar am Grundwasser verursachen und damit auch wieder andere Menschen schädigen. Und das trotz ausreichender Möglichkeiten zur legalen Entsorgung.

Der Erholungsort Irrel liegt in der Süd-Eifel unweit der Grenze zu Luxemburg. Dem Besucher zeigte sich Irrel von der schönsten Seite, solange er nicht in die versteckten Ecken schaute oder sich entlang des Flüsschens Prüm umsah. Nicht nur zahlreiche Irreler Kleingärtner, auch Landwirte und ein Campingplatzbesitzer warfen ihre Grünabfälle rund um Irrel in dieses Gewässer oder deponierten große Mengen am Ufer, damit das nächste Hochwasser sie dann wegspülte. Insgesamt, so schätzten wir, gelangten rund um den Ort auf diese Weise jährlich zwischen 30 und 50 t (Tonnen!) Grünabfälle ins Gewässer. Eine logische Folge, wenn man bedenkt, dass der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Irrel in einer Bauernversammlung den Naturschutz zum Feindbild erklärt, die Ortsgemeinde Irrel ihren Grünschnitt auch an den Ufern der Prüm entsorgte und der Heckenschnitt des Ortsbürgermeisters den gleichen Weg nahm. Und das, obwohl die nächste Grüngutannahmestelle nur rund 3 km entfernt ist.

Folgen:
Die in einem Gewässer faulenden großen Mengen organischer Abfälle belasten dieses stark. Beim
Abbau der organischen Substanz werden dem Wasser große Mengen Sauerstoff entzogen, der dann den Kleinorganismen und Fischen fehlt. Der Nährstoffgehalt des Wassers steigt an, wodurch Massenentwicklungen von Algen begünstigt werden. Die gesamte Lebensgemeinschaft des Baches leidet unter der daraus folgenden Überdüngung.

Auch in anderen Ortschaften der Eifel werden unzählige Tonnen Grünabfälle ins Wasser geworfen oder am Ufer abgelagert, das Beispiel Irrel suchte aber seinesgleichen. Die Verursacher der Ablagerungen wurden hier ebenso wie der Dorfpolizist von uns schon 1994 auf diese verbotene Praxis der Beseitigung von Grünabfällen aufmerksam gemacht. Auch bei der amtlichen Gewässerschau, bei der Vertreter der Gemeinde und der Verbandsgemeinde wie auch der Wasserbehörden zugegen waren, wiesen wir auf die Zustände hin. Die Irreler Grünabfälle landeten aber weiterhin in der Prüm.
Da ganz offensichtlich war, dass viele Irreler einschließlich ihres Bürgermeisters wenig von Umwelt- und Gewässerschutz hielten, hatten wir uns entschlossen, die seit 1994 fotografisch dokumentierten Mißstände um Irrel hier im Internet zu präsentieren. Ab diesem Zeitpunkt schenkte die Abfallbehörde der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm der Prümaue um Irrel vestärkte Aufmerksamkeit und nach einer Reihe von Anhörungen und Anzeigen gegen Abfallsünder hat sich der Zustand der Prümufer deutlich verbessert. Zwar gibt es immer noch einzelne Unbelehrbare, die aber werden in Kürze über Bußgelder zu besserer Einsicht gelangen. Schade, dass die Einsicht nicht früher und freiwillg kommt ...

Ansprechpartner:
Arnold Mai:
arnoldmai@gewaesserschutz-eifel.de